10 Mal Coburger Literaturtage: 2013 lud „Coburg liest!“ zum Jubiläum


Eine Autorengala mit Sten Nadolny, ein Abend mit Harry Rowohlt sowie ein Einblick in die Übersetzerwerkstatt von Friedhelm Rathjen gehörten zu den Höhepunkten der Coburger Literaturtage 2013, die unter dem Namen „Coburg liest!“ vom 20. bis zum 25. April 2013 stattfanden. „Coburg liest!“ konnte damit ein Jubiläum feiern, denn es waren bereits die zehnten Literaturtage.
Den Auftakt bildete der traditionelle Roman-Marathon, zu dem am 20. April Franziska Gerstenberg, Martin Horváth und Katharina Hagena erwartet wurden. Auch das Projekt „Literatur in den Häusern unserer Stadt“ des Landestheaters Coburg stand wieder auf dem Programm. Das Landestheater zählte damit erneut neben dem Coburger Literaturkreis, der Volkshochschule Coburg und der Buchhandlung Riemann zu den Veranstaltern der Literaturtage.

Der Roman-Marathon zum Auftakt der Coburger Literaturtage fand wieder in der Reithalle statt. Leider musste Katharina Hagena kurzfristig absagen, so dass aus dem geplanten Trio ein Duett wurde. Zunächst stellte Franziska Gerstenberg ihr Romandebüt „Spiel mit ihr“ vor. Franziska Gerstenberg war bereits bei der Erstauflage von „Coburg liest!“ im Mai 2004 mit dabei. Seinerzeit stellte sie ihr Erstlingswerk, den Erzählband „Wie viel Vögel“ vor. Jetzt erzählt Gerstenberg in ihrem Roman die Geschichte von Reinhard, einem 50-jährigen Rechtsanwalt, der über das Internet die zehn Jahre jüngere alleinerziehende Mutter Kristine kennenlernt und mit ihr sexuelle Phantasien auslebt. Kristine spielt mit, hofft aber auch, ihr Partner möge Vater für ihre Tochter werden. Diese wiederum spielt ihr eigenes Spiel, in das sie den arbeitslosen Nachbarn ihrer Mutter einbezieht. Franziska Gerstenberg, 1979 in Dresden geboren, studierte am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und lebt heute in Berlin.
Nach Franziska Gerstenberg las Martin Horváth aus seinem Debütroman . „Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten“. Horváth erzählt darin die Geschichte von Ali, einem 15-Jährigen aus Westafrika, der in einem Wiener Asylbewerberheim lebt. Ali spricht nach eigenen Angaben vierzig Sprachen, kann alles, kennt alles und versteht sich als Anwalt der Unterdrückten, der seine Mitinsassen von ihren Ängsten und Albträumen befreien will. Seine Wunderwaffe: das Erzählen. Ali ist ein Erzählverführer, der mit beißendem Spott und subversivem Humor bewaffnet zur täglichen Weltrettung antritt.
Martin Horváth wurde 1967 in Wien geboren, studierte an der dortigen Universität für Musik und darstellende Kunst und lebt seit 1988 als freischaffender Musiker.
„Harry Rowohlt liest und erzählt“ war der Abend überschrieben, mit dem die Coburger Literaturtage am Montag, den 22. April im Haus Contakt fortgesetzt wurden. Die Liste der Bücher, die Harry Rowohlt – auch als Kolumnist und Schauspieler bekannt – aus dem Englischen und Amerikanischen ins Deutsche gebracht hat, ist von staunenswerter Länge. Sie reicht von Autoren wie Ernest Hemingway über Flann O´Brian bis zu Kurt Vonnegut – A. A. Milnes „Winnie-der-Pu“ sowie eine Vielzahl weiterer Kinderbücher nicht zu vergessen. Von gleichem Rang ist Rowohlts Vortragskunst, die auf zahlreichen Tonträgern zu hören ist und auf Leseabenden besonders lebendig wirkt. Seine Bühnen-Shows sind legendär. Harry Rowohlt, geboren 1945, lebt in Hamburg, und hat für sein Schaffen zahlreiche Preise bekommen, unter anderem 2011 den Ehrenpreis des „Prix Pantheon“.
Am 23. April 2012 setzten sich die Coburger Literaturtage mit einem „Extra“ des Landestheaters fort, das 2013 bereits zum sechsten Mal geboten wurde: mit „Literatur in den Häusern unserer Stadt“. Coburger Bürger öffneten wieder ihre Wohnungen für Schauspieler aus dem Ensemble des Landestheaters Coburg, die nicht nur aus ihren Lieblingsbüchern lasen. Alle Lesungendauerten ungefähr eine Stunde. Danach trafen sich Zuschauer, Gastgeber und Mitwirkende im Münchner Hofbräu zu einem gemeinsamen Austausch über den Abend.
Am 24. April folgte in der Alten Darre des Hofbrauhauses ein Abend mit Friedhelm Rathjen. Rathjen ist einer der führenden Übersetzer aus dem Englischen. Am bekanntesten ist seine neue Version von Melvilles „Moby Dick“. Auch Mark Twains „Huckleberry Finn“ und andere Werke des 19. Jahrhunderts hat er ins Deutsche übertragen. Das Kerngebiet Rathjens ist jedoch die literarische Moderne. Er hat Essays über Arno Schmidt verfasst und ist Herausgeber des „Bargfelder Boten“. Essays und biographische Arbeiten begleiten auch seine Beschäftigung mit der irischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Aktuell lag eine neue Übertragung des frühen Romans „Porträt des Künstlers als junger Mann“ von James Joyce vor. Dieses Frühwerk ist, anders als „Ulysses“ oder „Finnegans Wake“, gut lesbar und erschließt dem Leser die Gedankenwelt eines werdenden Dichters, der gewisse Züge seines Autors erkennen lässt.
Auszüge aus diesem Werk wurden von Rathjen vorgetragen. Das anschließende Gespräch gab Einblicke in die Sprach-Werkstatt des Übersetzers – und damit auch in die Welt des unerschöpflichen Erzählers James Joyce.
Ihren Abschluss fanden die Coburger Literaturtage am 25. April im Großen Saal des Gemeindezentrums St. Augustin mit der inzwischen ebenfalls schon traditionellen Autoren-Gala. Dazu wurde Sten Nadolny erwartet. Nadolnys Romane sind stets Übungen in intensiver Fremd- und Selbstwahrnehmung. Sich Zeit nehmen, um das Wichtige im richtigen Moment zu sagen und zu tun: Dieses Lebensprinzip sucht Sten Nadolny in allen seinen Büchern in die Tat umzusetzen. „Die Entdeckung der Langsamkeit“, der große Roman über den Polarforscher John Franklin aus dem Jahr 1983, traf einen Nerv der Zeit: Was uns fehlt, ist Ruhe und Bedächtigkeit.
Eine Zeitreise ist auch Nadolnys jüngster Roman „Weitlings Sommerfrische“ aus dem Jahr 2012, aus dem der Autor las: Ein Richter im Ruhestand fühlt sich, im Verlauf einer Segel-Havarie auf dem Chiemsee, in seine Jugend zurückversetzt - und kehrt verändert in die Gegenwart zurück. "Gott hat Talent zur Ironie", denkt sich Weitling, der selbst an einem philosophischen Werk schreibt.


Programm

„Coburg liest!“ geht in die 14. Runde

Wiederum stehen renommierte Autorinnen und Autoren auf dem Programm. ...
Weiterlesen >>

Programm

Eindrücke von den Literaturtagen 2015
zur Fotogalerie >>
Fotos:© J. Grossmann