„Coburg liest!“ 2012: Von der Autorengala mit Ingo Schulze bis zum Familienabend mit Paul Maar


Eine Autorengala mit Ingo Schulze, ein Sachbuchabend mit Thea Dorn sowie eine „Lesung für die ganze Familie“ mit Paul Maar gehörten zu den Höhepunkten der Coburger Literaturtage, die unter dem Namen „Coburg liest!“ vom 21. bis zum 28. April 2012 bereits zum neunten Mal stattfanden. Weitere Programmpunkte waren der traditionelle Roman-Marathon mit der Autorin Olga Grjasnowa und den Schriftstellern Mathias Gatza und Michael Kumpfmüller sowie erneut das Projekt „Literatur in den Häusern unserer Stadt“ des Landestheaters Coburg, das damit wiederum neben dem Coburger Literaturkreis, der Volkshochschule Coburg und der Buchhandlung Riemann zu den Veranstaltern der Literaturtage zählte.

Den Auftakt der Literaturtage machte am Samstag, den 21. April 2012 der inzwischen schon traditionelle Roman-Marathon in der Reithalle. Dort stellte zunächst Olga Grjasnowa ihr gerade erschienenes Erstlingswerk „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ vor, in dem die gebürtige Aserbaidschanerin von ihrem Leben zwischen den Welten erzählt. Auch ihre Protagonistin Mascha stammt aus Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, und lebt mittlerweile in Deutschland. Zahlreiche Grenzübergänge haben sie zur Außenseiterin gemacht, überall auf andere Weise. Olga Grjasnowa absolvierte das Deutsche Literaturinstitut Leipzig und erhielt 2011 das Grenzgänger-Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung. Derzeit studiert sie Tanzwissenschaften an der FU-Berlin.

Nach Olga Grjasnowa sollte Daniela Krien aus ihrem Debütroman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ lesen, mit dem sie 2011 den 1. Platz des Jungen Literaturpreises in Pfaffenhofen/Ilm gewonnen hatte und der in den Feuilletons der Zeitungen hoch gelobt wurde. Da Daniela Krien erkrankt war, stellte an ihrer Stelle Mathias Gatza seinen eben erschienenen Roman „Der Augentäuscher“ vor. Die Rahmenhandlung bilden die Forschungen eines prekär lebenden Akademikers, der bei seinen Arbeiten zur "Feinmalerei des Bielefelder Barock" auf den geheimnisvollen Maler Silvius Schwarz stößt. Dieser hatte im 17. Jahrhundert in Dresden aus einer Camera obscura ein künstliches Auge gebaut. Es stellte sich die Frage, ob die Fotografie womöglich bereits damals erfunden wurde, also rund 200 Jahre früher als bislang angenommen.

Als Dritter stellte Michael Kumpfmüller seinen Roman „Die Herrlichkeit des Lebens“ vor. Kumpfmüller, in München geboren, seit 1986 in Berlin lebend und seit 2000 freier Schriftsteller, erfand darin eine Liebesgeschichte, die er mit biographischen Fakten aus dem letzten Lebensjahr Kafkas verbindet. Er stellt einen unbekannten, nicht mehr innerlich zerrissenen, sondern glücklich verliebten Kafka vor, der trotz seiner Lungenkrankheit und trotz großer Geldnot das Wunder einer großen Liebe zu der 15 Jahr jüngeren Dora Diamant erfährt. Die Kritik lobte das Werk als einen „stillen und sehr feinfühligen Roman über zwei außergewöhnliche Menschen in einer ausweglosen Situation“.

Mit einer Neuerung, einer „Lesung für die ganze Familie“, wurden die Coburger Literaturtage am Montag, den 23. April 2012 fortgesetzt. Gewonnen werden konnte hierfür der Kinder-und Jugendbuchautor Paul Maar, der mit den Schauspielern Vassiliky Toussa und Wolfgang Krebs und der „Capella Antiqua Bambergensis“ einen literarisch-musikalischen Abend gestaltete. Dabei stand das Buch „Das fliegende Kamel“ im Mittelpunkt, in dem Paul Maar Geschichten von Nasreddin Hodscha neu erzählt und um eigene Schelmengeschichten aus dem Hier und Heute ergänzt. Hodscha ist ein Eulenspiegel aus dem Orient, dessen Narrengeschichten seit dem 14. Jahrhundert überliefert sind. Hodscha lügt, dass sich die Balken biegen, und ist gleichzeitig Hochstapler und Philosoph, wunderlich und immer voll hintergründiger Weisheit.

Für den außergewöhnlichen Abend hatten die Kunstsammlungen der Veste Coburg, damit erstmals auch Mitveranstalter von „Coburg liest!“, die Große Hofstube auf der Veste zur Verfügung gestellt.

Am Dienstag, den 24. April folgte im Haus Contakt eine Autorengala mit Ingo Schulze. Ingo Schulze, 1962 in Dresden geboren, studierte in Jena Klassische Philologie und Germanistik, arbeitete als Schauspieldramaturg und Journalist und lebt seit Mitte der 90er Jahre als freier Schriftsteller in Berlin. Er gilt als einer der großen deutschen Autoren nicht nur der sogenannten „Wendezeit“. Vor allem der Roman „Neue Leben“ reflektiert die Auswirkungen des politischen Umbruchs von 1989 auf das Leben des Einzelnen. Damit und zuletzt mit „Adam und Evelyn“ wurde er einer der Finalisten beim Deutschen Buchpreis. Darüber hinaus war Kurzprosa von Anfang an ein wichtiges Metier für Ingo Schulze – angefangen von „33 Augenblicke des Glücks“ über „Simple Storys“ und „Handy. Dreizehn Geschichten in alter Manier“ bis hin zu „Orangen und Engel. Italienische Skizzen“.

Am Donnerstag, den 26. April lud „Coburg liest!“ in den Großen Saal von St. Augustin, wo Thea Dorn aus „Die deutsche Seele“ las, einem Werk, , das sie 2011 in Co-Autorenschaft mit Richard Wagner veröffentlichte. Darin erkunden die beiden, was die deutsche Seele ausmacht. Sie spüren sie auf in Begriffen wie „Abendbrot“ und „Wanderlust“, „Männerchor“ und „Fahrvergnügen“ und schaffen so eine facettenreiche Kulturgeschichte des Deutschen. Thea Dorn ist akademisch geprüfte Philosophin, sie arbeitet als Dramaturgin ebenso wie als Fernsehmoderatorin oder als Schriftstellerin. Sie hat Krimis geschrieben und für „Die Hirnkönigin“ den Deutschen Krimipreis erhalten, darüber hinaus Theaterstücke, Drehbücher und Sachbücher. Im Fernsehen ist sie zu sehen in den Sendungen „Büchertalk“, „Literatur im Foyer“ (SWR) oder „Paris – Berlin“ (Arte).

Am Freitag, den 27. April 2012 setzten sich die Coburger Literaturtage mit einem „Extra“ des Landestheaters fort, das 2012 bereits zum fünften Mal geboten wurde: mit „Literatur in den Häusern unserer Stadt“. Coburger Bürger öffneten einmal mehr ihre Wohnungen für Schauspieler aus dem Ensemble des Landestheaters Coburg, die nicht nur aus ihren Lieblingsbüchern lasen. Nach den Lesungen trafen sich Zuschauer, Gastgeber und Mitwirkende im Münchner Hofbräu zu einem gemeinsamen Austausch über den Abend.

Programm

„Coburg liest!“ geht in die 14. Runde

Wiederum stehen renommierte Autorinnen und Autoren auf dem Programm. ...
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Eindrücke von den Literaturtagen 2015
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Fotos:© J. Grossmann