Coburg liest! 2010 - Von der Autorengala mit Martin Mosebach bis zur Sophie-Scholl-Biografie

Eine Autorengala mit dem Georg-Büchner-Preisträger des Jahres 2007, Martin Mosebach, sowie eine Lesung mit Barbara Beuys, die ihre neue Sophie-Scholl-Biografie vorstellte, gehörten zu den Höhepunkten der Coburger Literaturtage, die unter dem Namen „Coburg liest!“ vom 17. bis zum 23. April 2010 bereits zum siebten Mal stattfanden. Weitere Programmpunkte waren ein Roman-Marathon mit den drei Autorinnen Kathrin Gerlof, Ulrike Kolb und Ursula Krechel, eine von Schülern der Fachoberschule Coburg gestaltete „Junge Lesung“ mit Roger Schmelzer, ein „Lyrischer Salon“ mit Norbert Hummelt sowie erneut das Projekt „Literatur in den Häusern unserer Stadt“ des Landestheaters Coburg, das damit wie im letzten Jahr neben dem Coburger Literaturkreis, der Volkshochschule Coburg und der Buchhandlung Riemann zu den Veranstaltern der Literaturtage zählte.

Den Auftakt machte am Samstag, den 17. April 2010 der fast schon traditionelle Roman-Marathon in der Reithalle. Dort stellte zunächst Kathrin Gerlof ihren neuen Roman „Alle Zeit“ vor, eine laut MDR Kultur „traurig-schöne Geschichte von fünf Frauen, die einander sehr viel näher stehen, als sie glauben“. Nach Kathrin Gerlof las Ulrike Kolb aus ihrem jüngsten Buch „Yoram“. Es erzählt die Geschichte einer jüdisch-deutschen Liebe, die sich immer wieder gegen die Nachwirkungen der Vergangenheit behauptet und am Ende doch an ganz normalen Konflikten zu zerbrechen droht. Als dritte Autorin stellte Ursula Krechel ihren Roman „Shanghai fern von wo“ vor. Sie erzählt darin ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte nach und beschreibt am Beispiel zweier Personen das Schicksal von 18.000 Juden, die vor der Verfolgung in Europa nach Shanghai fliehen konnten und dort zu überleben versuchten. Umrahmt wurde der Roman-Marathon von Musik am Marimbafon, die Vladimir Sigarev spielen wird.

Es folgte am Montag, den 19. April, die traditionelle von Schülerinnen und Schülern gestaltete Lesung. Diesmal übernahmen Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule Coburg diesen Part und luden zu einer Lesung mit Roger Schmelzer in ihre Schule ein. Roger Schmelzer ist als Drehbuch- und Sitcomautor in Köln tätig. Er schrieb unter anderem für die Serien „Anke“, „Switch“ und „Mircomania“. Sein literarisches Debüt heißt „Die besten zehn Sekunden meines Lebens“, in dem Schmelzer am Beispiel des sechzehnjährigen Chris von den kleinen Dingen und ihrer Bedeutung für das ganz große Glück erzählt.

Am Dienstag, den 20. April lud „Coburg liest!“ in den Großen Saal von St. Augustin ein, wo Barbara Beuys ihre gerade erschienene Biografie über Sophie Scholl vorstellte. Das Leben der jungen Widerstandskämpferin erscheint darin in einem neuen Licht, da die Biografie auf einer Fülle von bisher unbekannten Dokumenten beruht.

Im „Lyrischen Salon“ präsentierte dann am Mittwoch, den 21. April Norbert Hummelt im Hochzeitssaal des Bürglaß-Schlösschens sein neues Buch „Wie Gedichte entstehen“, das in Ko-Autorschaft mit dem Verlagslektor Klaus Siblewski er-schienen ist und interessante Einblicke in eine Dichterwerkstatt erlaubt. Für die musikalische Einstimmung in den Abend sorgte Sigi Kraft mit Kontrabass und Percussion.

Einem „der intelligentesten, einfallsreichsten und sprachmächtigsten Dichter der Gegenwart“, so DIE ZEIT, war dann die Autorengala der Coburger Literaturtage am Donnerstag, den 22. April gewidmet. Unter dem Titel „Ein Abend für …“ stellte sich den Coburger Literaturfreunden im Großen Saal von St. Augustin Martin Mosebach vor. Mosebach, unter anderem Preis-träger der bedeutendsten literarischen Auszeichnung in Deutschland, des Georg-Büchner-Preises, den er 2007erhielt, las aus seinem jüngsten Buch „Stadt der wilden Hunde. Nachrichten aus dem alltäglichen Indien“. Er schildert darin Erfahrungen der Fremde, die auf unerwartete Weise auf das eigene Leben zurückwirken. Auch dieser Abend wurde musikalisch umrahmt: Janina Frankenberger spielte Stücke des 19. Jahrhunderts auf der Harfe.

Den Abschluss der 7. Coburger Literaturtage bildeten am 23. April, dem „Welttag des Buchs“, zwei „Extras“ des Landestheaters, die 2010 bereits zum dritten Mal geboten wurden: Zunächst waren am Morgen Ensemblemitglieder des Landestheaters Coburg mit Kinder- und Jugendliteratur in Schulen Coburgs zu Gast. Nach dieser „Literatur in den Schulen unserer Stadt“ fand am Abend „Literatur in den Häusern unserer Stadt“ statt: 13 private Gastgeber öffneten ihre Wohnungen und Häuser für Lesungen mit Ensemblemitgliedern des Landestheaters Coburg. Nach den Lesungen trafen sich Zuschauer, Gastgeber und Mitwirkende zu einem gemeinsamen Austausch über den Abend.

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Impression

Sehenswert sind die Bilder von den Veranstaltungen der Litera-turtage 2010, die uns der Fotograf Albert Höchstädter zur Verfügung gestellt hat. mehr …

 

Programm

„Coburg liest!“ geht in die 14. Runde

Wiederum stehen renommierte Autorinnen und Autoren auf dem Programm. ...
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Eindrücke von den Literaturtagen 2015
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Fotos:© J. Grossmann