Vielfalt als Programm – Von künstlicher Intelligenz bis zum politischen Diskurs

In wenigen Tagen einen Einblick in die Vielfalt der aktuellen Literaturszene bieten – das war schon immer der Anspruch, dem wir Organisatoren der Coburger Literaturtage gerecht werden wollten.

Wir glauben, dass uns dies auch 2017 mit der 14. Auflage von „Coburg liest!“ gelingen wird.  Denn das Themenspektrum ist besonders breit: Es reicht von Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz über politische Streitgespräche bis hin zu verschiedenen in Romanen verarbeiteten Selbstfindungsprozessen.

Den Auftakt macht diesmal das „Extra“ des Landestheaters, das 2017 bereits zum zehnten Mal geboten wird: „Literatur in den Häusern unserer Stadt“. Coburger Bürgerinnen und Bürger öffnen wieder ihre Häuser und Wohnungen und werden für einen Abend zu Gastgebern für Lesungen mit Schauspielern des Landestheaters im kleinen und intimen Kreis.

„Smarte Maschinen“ stehen dann im Mittelpunkt einer Lesung mit dem Physiker und Zukunftsforscher Dr. Ulrich Eberl, einem der renommiertesten deutschen Wissenschafts­ und Technikjournalisten. Wir erfahren vom aktuellen Stand der Forschung auf dem Gebiet der Robotik und künstlichen Intelligenz und hören von Maschinen, die nicht nur Autos fahren, kochen, malen, musizieren, reparieren oder ärztliche Diagnosen stellen können, sondern sogar denken und untereinander debattieren. Der Autor bringt auch seinen eigenen Roboter mit - dieser wird dann mit einem Kollegen, dem Lego­Roboter der anwesenden Robotik­AG des Gymnasiums Ernestinum zusammentreffen. Für letzteren ist dies ein Heimspiel, denn die Veranstaltung findet in der Mensa des  Ernestinums statt.

Für die Autoren-Gala haben wir wieder einen besonders renommierten Autor gewonnen: den Schweizer Peter Stamm. Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller erzählt in seinem neuesten Roman „Weit über das Land“, wie ein durchschnittlicher Familienvater urplötzlich wort­ und scheinbar grundlos Frau und Kinder verlässt und mittellos durch einsame Gegenden und kleine Bergdörfer der Alpen streift. Seine Spannung bezieht der Roman aus dem ständigen Wechsel zwischen der Perspektive des flüchtenden Mannes und seiner ratlosen Frau, die die neue Situation zunächst verheimlicht und sich dann allmählich damit arrangiert.

Ein neues Format an einem neuen Ort bietet „Coburg liest!“ tags darauf: In der Brose-Aula der Hochschule Coburg erwarten wir die beiden Journalisten Jakob Augstein und Nikolaus Blome zum politischen Streitgespräch. Deren Motto: „Gibt es zu wenig Streit, schläft die Demokratie ein.  Gibt es zu viel, zerreißt sie.“ Und: „Immer öfter wird der Streit zum Hass.“ Dem setzen Augstein und Blome, links der eine,  liberalkonservativ der andere, seit 2011 ihr wöchentliches Streitgespräch über ein aktuelles Thema  auf Phoenix, dem Ereigniskanal von ARD und ZDF, entgegen. Jetzt haben sie 30 Streitgespräche zu den Themen, die Deutschland bewegen, in Buchform gepasst: „Links oder rechts?“, so der Titel.

Den abschließenden Roman-Marathon in der Reithalle bestreiten drei sehr unterschiedliche Charaktere.
Zunächst stellt Paula Fürstenberg ihren Debütroman „Familie der geflügelten Tiger“ vor. Die Hauptfigur Johanna wird darin plötzlich mit Fragen nach weißen Flecken in der eigenen Biographie konfrontiert. Sie wuchs bei ihrer Mutter in der Uckermark auf, nachdem ihr Vater noch zu DDR-Zeiten in den Westen verschwunden war. Nach dem Abitur wird Johanna in Berlin Straßenbahnfahrerin und erhält plötzlich einen Anruf ihres krebskranken Vaters. Das Treffen mit ihm, ihrer Halbschwester und ihrer Oma veranlasst sie nachzuforschen, über ihre Familie und über ein Land, in dem sie geboren wurde, das es jetzt aber nicht mehr gibt.

Klaus Böldl stellt danach seinen Roman „Der Atem der Vögel“ vor, der auf den Färöer Inseln spielt. Dort lebt Philipp, die Hauptfigur des Romans, ein Deutscher Mitte 30, Einzelgänger, der seine Tage mit ausgedehnten Spaziergängen verbringt. Als seine Lebensgefährtin Johanna und ihre Tochterauf eine Reise gehen, macht sich auch Philipp auf den Weg. Er beginnt eine Wanderung über die Inseln, die ihn immer tiefer in die Natur führt – und immer näher zu sich selbst. Böldl wurde 1964 in Passau geboren. Für sein Werk wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Danach liest Rasha Khayat, 1978 in Dortmund geboren, in Saudi-Arabien aufgewachsen und 1988 mit der Familie nach Deutschland zurückgekehrt, aus ihrem Roman „Weil wir längst woanders sind“. Sie erzählt darin von Layla, die beschließt, Deutschland zu verlassen und einen Mann in der alten Heimat Saudi­Arabien zu heiraten, und Laylas Bruder Basil, der ihr nachreist und der Frage nachgeht, was Layla ­ eine nicht religiöse, freiheitsliebende junge Frau – dazu treibt, in einem Land leben zu wollen, in dem Frauen alles andere als frei sind.

Wir hoffen, in der Vielfalt unseres Angebots finden auch Sie das Passende, und wünschen allen unseren Gästen ein hohes Vergnügen mit Büchern!

Programm

„Coburg liest!“ geht in die 14. Runde

Wiederum stehen renommierte Autorinnen und Autoren auf dem Programm. ...
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Programm

Eindrücke von den Literaturtagen 2015
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Fotos:© J. Grossmann